Ruhe im Körper: Einfache Übungen für Kinder, die sich unsicher fühlen

Ruhe im Körper: Einfache Übungen für Kinder, die sich unsicher fühlen

Wenn Kinder sich unsicher fühlen, zeigt sich das oft im Körper – durch Unruhe, Bauchschmerzen, Einschlafprobleme oder plötzliche Wutausbrüche. Gefühle von Unsicherheit gehören zur Kindheit dazu, doch manchmal nehmen sie so viel Raum ein, dass sie den Alltag beeinträchtigen. Zum Glück können einfache Körperübungen helfen, wieder Ruhe und Sicherheit zu finden. Hier erfahren Eltern, Erzieherinnen und Lehrer, wie sie Kinder mit kleinen, sinnlichen Übungen unterstützen können.
Warum der Körper so wichtig ist
Wenn ein Kind Angst oder Unsicherheit spürt, reagiert zuerst der Körper: Das Herz schlägt schneller, die Atmung wird flach, die Muskeln spannen sich an. Diese Reaktion stammt aus einer Zeit, in der sie uns vor Gefahren schützen sollte – heute führt sie oft zu unnötigem Stress.
Deshalb ist es sinnvoll, beim Körper anzusetzen, wenn man einem Kind helfen möchte, sich zu beruhigen. Durch Atemübungen, Bewegung und bewusste Sinneswahrnehmung kann das Kind spüren, dass der Körper zur Ruhe kommt – und das signalisiert dem Gehirn: Alles ist in Ordnung.
Übung 1: Der ruhige Atem
Eine der einfachsten und wirksamsten Methoden, um Ruhe zu finden, ist bewusstes Atmen. Wenn das Kind tief und langsam atmet, sinkt der Puls, und die Anspannung lässt nach.
So geht’s:
- Sucht euch einen ruhigen Ort.
- Legt eine Hand auf den Bauch und spürt, wie er sich beim Einatmen hebt.
- Atmet langsam aus, als würdet ihr eine Seifenblase pusten.
- Wiederholt das fünfmal – vielleicht mit dem Zählen: vier beim Einatmen, sechs beim Ausatmen.
Für kleinere Kinder kann man die Übung spielerisch gestalten: pustet Federn, Papierstreifen oder Seifenblasen und schaut, wer sie am längsten in der Luft halten kann.
Übung 2: Fester Stand – die Füße spüren
Wenn Kinder sich unsicher fühlen, verlieren sie oft das Gefühl, „fest auf dem Boden zu stehen“. Eine kleine Erdungsübung kann helfen, den Körper wieder zu spüren.
- Das Kind stellt sich barfuß oder mit festen Schuhen auf den Boden und schließt die Augen.
- Sagt: „Spür, wie deine Füße auf dem Boden stehen. Stell dir vor, dass Wurzeln aus deinen Füßen in die Erde wachsen.“
- Lasst das Kind so etwa eine halbe Minute ruhig atmen.
Diese Übung eignet sich gut vor dem Schlafengehen, in der Schule oder nach einem Streit.
Übung 3: Sich selbst umarmen
Berührung setzt das Hormon Oxytocin frei, das Stress reduziert und Geborgenheit vermittelt. Wenn gerade niemand da ist, kann das Kind lernen, sich selbst zu umarmen.
- Arme überkreuzen und die Hände auf die Schultern legen.
- Ruhig atmen und spüren, wie der Körper schwerer wird.
- Vielleicht leise sagen: „Ich bin hier. Ich bin sicher.“
Am Anfang fühlt sich das für manche Kinder ungewohnt an, doch viele merken schnell, wie beruhigend es wirkt.
Übung 4: Die stille Fantasiereise
Mit einer kleinen Fantasiereise kann das Kind den Fokus von der Unsicherheit auf etwas Angenehmes lenken.
Erzählt dem Kind, dass ihr gemeinsam auf eine „stille Reise“ geht. Es darf die Augen schließen und sich einen Ort vorstellen, an dem es sich wohlfühlt – vielleicht ein Strand, ein Wald oder ein gemütliches Zimmer. Beschreibt den Ort mit ruhigen Worten: die Geräusche, die Farben, die Gerüche.
Nach ein paar Minuten kann das Kind die Augen wieder öffnen. Diese Übung eignet sich gut als Teil des Abendrituals oder in Momenten, in denen das Kind zur Ruhe kommen soll.
Übung 5: Spannung abschütteln
Manche Kinder können nicht stillsitzen, wenn sie sich unwohl fühlen. Statt sie zur Ruhe zu zwingen, hilft es oft, die Anspannung aktiv loszuwerden.
- Gemeinsam aufstehen und den Körper ausschütteln – zuerst die Hände, dann Arme, Schultern, Beine.
- Kleine Hüpfer machen und alles „abschütteln“.
- Danach stillstehen und spüren, wie sich der Körper anfühlt.
Diese Übung hilft, überschüssige Energie loszulassen und danach leichter zur Ruhe zu kommen.
Eine ruhige Umgebung schaffen
Die Übungen wirken am besten, wenn sie in einer ruhigen, sicheren Atmosphäre stattfinden. Wichtig ist, dass auch die Erwachsenen Gelassenheit ausstrahlen – Kinder spüren sofort, wenn jemand gestresst ist.
Macht die Übungen gemeinsam und integriert sie in den Alltag: nach der Schule, vor dem Schlafengehen oder als kleine Pause zwischendurch. Je regelmäßiger das Kind übt, desto leichter findet es in stressigen Momenten zur Ruhe.
Wenn Unsicherheit den Alltag bestimmt
Wenn ein Kind häufig ängstlich oder unsicher ist und das Schlaf, Schule oder Freundschaften beeinträchtigt, kann es hilfreich sein, professionelle Unterstützung zu suchen. Kinderärztinnen, Schulpsychologen oder Therapeutinnen können helfen, die Ursachen zu verstehen und passende Wege zu finden.
Ruhe im Körper zu finden ist ein Prozess – aber mit Geduld, Zuwendung und kleinen Übungen kann jedes Kind lernen, sich sicherer zu fühlen, in sich selbst und in der Welt um es herum.










